ÖFFENTLICHER SCHAUTAG

Exklusiv am 18.08.2017
von 16.30 bis 17.30 Uhr
in der Willy-Lohmann-Straße 7.

Kommen Sie gern vorbei.

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Anne Geyer

Kontakt: Anne Geyer
Tel.: 0345 527-2197

DER WOHNPARK IM FILM
Der Wohnpark im Film

ZUR GESCHICHTE DES VERWALTUNGSGEBÄUDES WILLY-LOHMANN-STRAßE 7

Das Verwaltungsgebäude in der Willy-Lohmann-Straße 7 ist Teil des Paulusviertels. Es ist ein vier- bis fünfgeschossiger Putzbau mit markantem Eckturm, einer großen Schweifhaube und mehrfach gegliederten Zwerchhäusern.

Das Gebäude wurde im Auftrag der Landwirtschaftskammer der Provinz Sachsen von 1900 bis 1902 errichtet und war über viele Jahrzehnte Sitz diverser Regierungsinstitutionen mit den Aufgaben einer Selbstverwaltung für die Landwirtschaft der Provinz Sachsen. Ursprünglich waren die verschiedenen Institutionen der Landwirtschaftskammer in sechs Einzelgebäuden untergebracht. Die Kammer beschloss daher, ein zentrales Verwaltungsgebäude errichten zu lassen. Am 1. März 1900 wurde durch die Plenarversammlung für 325.200 Mark der Ankauf des Baulandes in der Ludwig-Wucherer-Straße genehmigt. Zum verantwortlichen Architekten wurde Friedrich Fahro ernannt. Von der Plenarversammlung bekam er folgende Vorgaben für den Neubau: das Grundstück sollte effektiv und langfristig genutzt werden. Neben einfachen Büroräumen hatte es Wohnmöglichkeiten für den geschäftsführenden Direktor und Generalsekretär zu bieten. Auch ein „bis zu 500 Personen“ fassender Saal für Versammlungen sollte eingerichtet werden.

Inklusive Erwerbskosten des Grundstücks und den veranschlagten Baukosten des Gebäudes bedeutete der Neubau Ausgaben in Höhe von 925.000 Mark. Trotz eines Streiks Mitte April 1901 konnten die Arbeiten im Wesentlichen bis zum Juli 1901 beendet werden, sodass bis zum eigentlichen Fertigstellungstermin im November 1902 ein Großteil des Gebäudes bereits bezogen war.

Seine Gesamtlänge an der Kaiserstraße (heute Willy-Lohmann-Straße) betrug 87 m und die Länge an der Seite zur Kronprinzenstraße (Schleiermacherstraße) 51 m.

Der Saal der Landwirtschaftskammer wurde im zweiten Obergeschoss des Gebäudes mit einer Größe von 360 m² angelegt. Seine Länge betrug 24 m und seine Breite 15 m. Als „Neben- oder sogenannten Frühstückssaal“ gab es einen kleineren Verhandlungssaal (114 m²). Die Büroräume für die Direktoren der eingemieteten Gesellschaften und des Geschäftsführers der Kammer betrugen zwischen 30 und 41 m². In der sogenannten Bel-Etage verfügte der Kammerpräsident über ein Empfangszimmer, ein Sitzungszimmer und Wohnräume. Hier befand sich auch unterhalb des Saales das Sitzungszimmer des Vorstandes mit einer Fläche von 89 m².

Einweihung

Die Einweihung des neuen Verwaltungsgebäudes konnte im festlichen Rahmen im Zuge einer außerordentlichen Plenarversammlung der Kammer begonnen werden. Aus dem „General-Anzeiger“ erfuhr der geneigte Leser, dass zu den Ehrengästen Oberpräsident der Provinz Sachsen Dr. Karl Heinrich von Boetticher, Regierungspräsident Eberhard Freiherr von der Recke, Landeshauptmann Ludwig Bartels in Merseburg und der hallesche Oberbürgermeister Gustav Staude zählten. Dem Architekten Fahro stand die ehrenvolle Aufgabe zu, dem Präsidenten der Kammer Major a. d. von Busse den symbolischen Schlüssel zu dem Haus zu übergeben.

Als Eckgebäude liegt der Bau innerhalb des Paulusviertels an zwei Straßen: der Willy-Lohmann-Straße und der als kreisförmige Straße verlaufenden Schleiermacherstraße. Die Willy-Lohmann-Straße erstreckt sich mit einer ungefähren Länge von 260 Metern von der Anbindung der Ludwig-Wucherer-Straße an die Martha-Brautzsch-Straße in nordöstlicher Richtung zum Rathenauplatz. Ihr heutiger Namensgeber ist der am 1. August 1881 in Dohndorf bei Köthen geborene Willy Lohmann, der sowohl als Pädagoge als auch als Abgeordneter der Deutschen Partei im anhaltischen Landtag tätig war.

Die Schleiermacherstraße hat ihren Anfang als Anbindung vom Thomas-Müntzer-Platz und verläuft beinahe halbkreisförmig in südöstlicher Richtung bis zur Hebbelstraße. Benannt ist sie nach Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, einem am 21. November 1768 in Breslau geborenen Philosophen und Theologen. Er studierte 1787 Theologie an der Universität in Halle und wurde dort 1804 Professor des selbigen Faches.

Dank einer großzügigen Grundstückspolitik besaß der Standort der Landwirtschaftskammer von Beginn an ausreichende Erweiterungsflächen. Für die nicht sofort zu bebauenden Grundstücksanteile wurde ein verschlungenes Wegenetz entworfen. Die wenigen überlieferten Bilder lassen die erfolgreiche Umsetzung der geplanten Wegearchitektur erkennen, die teilweise von Bäumen flankiert wurden. Funktional war die Freifläche als unbebauter architektonischer Ausgleich zum massiven Verwaltungsgebäude gedacht gewesen. Verwaltungsangestellte und höhere Amtsinhaber fanden darin eine Erholungsmöglichkeit, ausgleichend zum Arbeitsalltag. Frei zugänglich war das eingezäunte Gelände für die Hallenser offiziell nicht.

1934 wurden Tiefbaumaßnahmen am Gebäude ergriffen, um die Keller des Haupt- und Nebengebäudes entsprechend der NS-Gesetzgebung als Luftschutzräume tauglich zu machen. Beide Luftschutzkeller wurden am 18. September 1934 von der Luftschutz-Bauberatungsstelle erfolgreich abgenommen und mussten nicht nur den Verwaltungsbeamten, sondern den Bewohnern benachbarter Häuser in den Bombennächten ab 1940 Schutz bieten.

Besatzungszeit und DDR

Mit dem Einzug der Roten Armee in Halle und dem Beginn der Besatzungszeit wurde der hallesche Verwaltungsapparat vor große Herausforderungen gestellt. Ein zentrales Problem war die Unterbringung der Beamten. Im Falle der Landwirtschaftskammer führte dies dazu, dass man sie aufgrund ihres großen Raumbedarfs in sieben verschiedenen Gebäuden unterbrachte. Ihr früherer Zentralsitz an der Kaiserstraße wurde allerdings am 18. Juli 1945, gut zwei Wochen nach Übernahme der Besatzungsmacht durch sowjetisches Militär an die neugebildete Provinzialverwaltung übergeben.

Der Einzug der Provinzialverwaltung – oder genauer der Provinzverwaltung der Provinz Sachsen – machte das Gebäude in der kurz darauf umbenannten Willy-Lohmann-Straße erneut zu einer zentralen Verwaltungsstelle. Es wurde 1946 Sachsen-Anhalts erster Regierungsstandort. Mit der Gründung der DDR und dem Einzug des Rates des Bezirkes Halle als einem der 14 zentralen
Verwaltungsbehörden der DDR in das Gebäude folgte 1969 eine massive bauliche Umgestaltung des Innenraums. Neu entstanden 1962 eine Baracke für Verwaltungszwecke und 1968 eine Kindereinrichtung. Gebaut wurde im nordöstlichen Grundstücksteil ein öffentlicher Kinderspielplatz. Im Herbst 1973 wurde für die Mitarbeiter des Rates im Dienstgebäude ein kleiner Frisiersalon eingerichtet.

Mit der friedlichen Revolution in der DDR, der Wirtschafts- und Währungsunion mit der Bundesrepublik Deutschland endete auch die Arbeit der Räte der Bezirke. In Halle wurde zum 11. Juni 1990 eine Bezirksverwaltungsbehörde als Übergangslösung für die zentralen staatlichen Aufgaben im Bezirk Halle gebildet. Ab dem 2. Juli 1990 arbeitete im Gebäude auch das Finanzamt Halle-West mit seiner Zuständigkeit für die ehemaligen Stadtbezirke Halle-Ost, Halle-West und den Saalkreis.

Nach der Wende

1991 nahm im Gebäude das Regierungspräsidium Halle seine Arbeit auf. Neben der Verwaltungstätigkeit gehörten regelmäßige Kunstausstellungen in seinen Fluren zum Bemühen um eine bürgernahe Amtstätigkeit. Es wurden Arbeiten freischaffender Künstler sowie von Laien gezeigt. Bis zur Auflösung der Regierungspräsidien in Halle, Dessau und Magdeburg Ende 2004 stand die hallesche Dienststelle unter der Leitung von Wolfgang Kleine (bis 1994), Ingrid Häußler (bis 1998), Wolfgang Böhm (bis 2000) und Dr. Jens Holger Göttner (bis 2002). Durch Entscheidungen der Landesregierung wurden die Regierungspräsidien zum 31. Dezember 2003 aufgelöst und in einem einheitlichen Landesverwaltungsamt als einzige zentrale Mittelbehörde des Landes mit Standort in Halle zusammengefasst. Für deren verstärkten Bedarf an Büroräumen reichte das Gebäude in der Willy-Lohmann-Straße nach wenigen Jahren nicht mehr aus. Ein neuer Verwaltungssitz wurde in der ehemaligen königlichen Eisenbahndirektion an der Ernst-Kamieth-Straße 2 gefunden. Das Landesverwaltungsamt zog 2008 aus.

Überblick

1900 Landerwerb

1900 – 1902 gebaut

1934 Errichtung von Luftschutzkellern

1946 – 1952 Sitz der neu gebildeten Provinzverwaltung

1952 – 1990 Bezirksverwaltung Halle

1990 – 2004 Regierungspräsidium Halle

2004 – 2008 Landesverwaltungsamt